WERKSTATT
Filmrestaurierung
Ein alter Film ist kein Datei-Download. Es ist Zelluloid, Chemie und Zeit. Was in der Filmothek läuft, kommt oft aus Archiven, deren Kopien schon einmal gerettet wurden. Hier die Arbeitsschritte, in der Reihenfolge, in der ein Labor denkt.
01
Sichtung
Zuerst das Material: Nitrat, Acetat, Polyester? Schrumpf, Riss, Schimmel, Vinegar Syndrome. Ohne diese Diagnose bleibt jede Scan-Kette Blindflug.
02
Nassfenster / Wet-Gate
Der Streifen läuft durch eine Flüssigkeit mit gleichem Brechungsindex. Kratzer in der Gelatine werden optisch gefüllt, bevor das Licht den Chip trifft. Für Nitrat und alte Kopien oft der einzige Weg, ein ruhiges Bild zu bekommen.
03
Abtastung
Bild für Bild, oft 2K oder 4K, mit diffuse Beleuchtung gegen Staub. Stummfilme brauchen den richtigen Bildstand (16, 18, 20, 24 B/s), sonst tanzt die Bewegung.
04
Bildretusche
Stabilisieren, Flicken, Schmutz, Flimmern. Maß halten: ein 1938er Lustspiel soll nicht aussehen wie gestern gedreht. Korn bleibt, solange es zum Negativ gehört.
05
Ton
Lichtton, Nadelton, spätere Magnetspur. Knacken und Brummen weg, Stimmen und Musik nicht platt bügeln. Stummfilme bekommen höchstens eine zeitgenössische Klavier- oder Orchesterfassung, nie einen Pop-Teppich.
06
Farbe und Virage
Viele Stummfilme waren viragiert oder getont, nicht schwarzweiß. Wo die Quelle das hergibt, stellen wir Nacht blau und Feuer amber wieder her — als Hinweis, nicht als Erfindung.
HINWEIS
Die V.S.-Produktion restauriert nicht selbst im Labor. Wir zeigen Quellen, die bereits gesichert oder digitalisiert wurden, und ordnen sie ein. Wer ein gefährdetes Nitrat kennt oder eine bessere Kopie hat, schreibt in die Ideensammlung.
